{"id":2740,"date":"2026-08-21T02:50:00","date_gmt":"2026-08-21T02:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/nomadlaw.ch\/?p=2740"},"modified":"2026-08-23T17:08:45","modified_gmt":"2026-08-23T17:08:45","slug":"internationaler-kaufvertrag-unter-schweizer-recht-was-thailaendische-hersteller-beachten-sollten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nomadlaw.ch\/de\/internationaler-kaufvertrag-unter-schweizer-recht-was-thailaendische-hersteller-beachten-sollten\/","title":{"rendered":"Internationaler Kaufvertrag unter Schweizer Recht: Was thail\u00e4ndische Hersteller beachten sollten"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der direkte Verkauf von Waren aus Thailand an Schweizer Kunden ist h\u00e4ufig der einfachste Weg, um in den Schweizer Markt einzutreten. Eine eigene Tochtergesellschaft oder ein lokaler Vertriebspartner ist daf\u00fcr grunds\u00e4tzlich nicht notwendig. Produkte k\u00f6nnen beispielsweise direkt an Schweizer Importeure, Grossh\u00e4ndler, Detailh\u00e4ndler oder industrielle Abnehmer verkauft werden.  <\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei einem grenz\u00fcberschreitenden Gesch\u00e4ft reicht es allerdings nicht, sich lediglich \u00fcber Produkt und Preis zu einigen. Ein internationaler Kaufvertrag sollte auch regeln, wer das Transport- und Zahlungsrisiko tr\u00e4gt, was bei Lieferverzug oder mangelhafter Ware geschieht und welches Recht auf den Vertrag Anwendung findet. <\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade f\u00fcr thail\u00e4ndische Unternehmen ist dabei wichtig, dass sich einige Grunds\u00e4tze des Schweizer Kaufrechts von den aus Thailand bekannten Regeln unterscheiden.<\/p>\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Was sollte ein internationaler Kaufvertrag regeln?<\/h1>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst sollte m\u00f6glichst genau beschrieben werden, <strong>was verkauft wird<\/strong>. Bei industriell hergestellten Produkten k\u00f6nnen dazu neben Produktbezeichnung und Menge insbesondere technische Spezifikationen, Materialien, Qualit\u00e4tsanforderungen, Toleranzen, Verpackung, Zertifikate oder ein bestimmter Verwendungszweck geh\u00f6ren. <\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Je klarer diese Eigenschaften definiert werden, desto einfacher l\u00e4sst sich sp\u00e4ter feststellen, ob die Lieferung vertragsgem\u00e4ss erfolgt ist.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daneben sollten insbesondere folgende Punkte geregelt werden:<\/p>\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Kaufpreis, W\u00e4hrung und Zahlungsbedingungen,<\/li>\n\n\n\n<li>Lieferort und Liefertermin,<\/li>\n\n\n\n<li>Transport und Gefahr\u00fcbergang,<\/li>\n\n\n\n<li>Folgen eines Lieferverzugs,<\/li>\n\n\n\n<li>Pr\u00fcfung der Ware und M\u00e4ngelr\u00fcge,<\/li>\n\n\n\n<li>Gew\u00e4hrleistung und m\u00f6gliche Nachbesserung oder Ersatzlieferung,<\/li>\n\n\n\n<li>Haftungsbeschr\u00e4nkungen,<\/li>\n\n\n\n<li>gegebenenfalls Zahlungssicherheiten wie Vorauszahlungen, Bankgarantien oder Akkreditive,<\/li>\n\n\n\n<li>anwendbares Recht und Streitbeilegung.<\/li>\n<\/ul>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei regelm\u00e4ssigen Lieferbeziehungen kann es sinnvoll sein, diese grundlegenden Bedingungen in einem Rahmenvertrag oder in Verkaufsbedingungen festzuhalten und bei den einzelnen Bestellungen nur noch Produkt, Menge, Preis und Liefertermin zu bestimmen.<\/p>\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Incoterms: Wer tr\u00e4gt Kosten und Transportrisiko?<\/h1>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei einer Lieferung von Thailand in die Schweiz ist die Frage des Transports von besonderer Bedeutung.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im internationalen Warenhandel werden daf\u00fcr h\u00e4ufig die <a href=\"https:\/\/iccwbo.org\/business-solutions\/incoterms-rules\/incoterms-2020\/\">Incoterms<\/a><strong> <\/strong>der International Chamber of Commerce verwendet. Sie regeln unter anderem, welche Aufgaben und Transportkosten Verk\u00e4ufer und K\u00e4ufer \u00fcbernehmen und zu welchem Zeitpunkt das Risiko eines zuf\u00e4lligen Verlusts oder einer Besch\u00e4digung der Ware vom Verk\u00e4ufer auf den K\u00e4ufer \u00fcbergeht. <\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Incoterm sollte dabei immer zusammen mit einem m\u00f6glichst genau bezeichneten Ort vereinbart werden, zum Beispiel:<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>FCA [genauer Ort], Thailand, Incoterms 2020<\/strong><\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der konkrete Ort ist wichtig, weil daran wesentliche Lieferpflichten und der Gefahr\u00fcbergang ankn\u00fcpfen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Incoterms ersetzen allerdings keinen Kaufvertrag. Sie regeln beispielsweise nicht umfassend Zahlungsbedingungen, Gew\u00e4hrleistung, Haftung oder das anwendbare Recht. <strong>Auch der Gefahr\u00fcbergang ist nicht mit dem Eigentums\u00fcbergang gleichzusetzen<\/strong>. Wer das Eigentum an der Ware zu welchem Zeitpunkt erhalten soll, muss gegebenenfalls zus\u00e4tzlich geregelt werden.   <\/p>\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Gew\u00e4hrleistung, M\u00e4ngelr\u00fcge und Haftung<\/h1>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Schweizer Kaufrecht muss die gelieferte Ware grunds\u00e4tzlich die vereinbarten und vorausgesetzten Eigenschaften besitzen. Ist sie mangelhaft, kann der K\u00e4ufer gesetzliche Gew\u00e4hrleistungsrechte geltend machen. Im B2B-Bereich besteht jedoch weitgehender Spielraum, diese Rechte vertraglich auszugestalten.  <\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade bei industriellen Produkten kann beispielsweise vereinbart werden, dass der Hersteller zun\u00e4chst die M\u00f6glichkeit erh\u00e4lt, den Mangel zu beheben oder Ersatzware zu liefern, bevor weitergehende Anspr\u00fcche entstehen.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders wichtig ist unter Schweizer Recht die Pr\u00fcfungs- und R\u00fcgepflicht des K\u00e4ufers. Der K\u00e4ufer muss die <strong>Ware grunds\u00e4tzlich pr\u00fcfen, sobald dies nach dem \u00fcblichen Gesch\u00e4ftsgang m\u00f6glich ist<\/strong>, und erkennbare M\u00e4ngel rechtzeitig anzeigen. Auch sp\u00e4ter entdeckte versteckte M\u00e4ngel m\u00fcssen nach ihrer Entdeckung ger\u00fcgt werden.  <\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr einen thail\u00e4ndischen Verk\u00e4ufer kann diese Regel grunds\u00e4tzlich vorteilhaft sein. Schweizer K\u00e4ufer versuchen deshalb insbesondere in ihren Einkaufsbedingungen teilweise, l\u00e4ngere oder abweichende R\u00fcgefristen zu vereinbaren. Solche Klauseln sollten nicht ungepr\u00fcft \u00fcbernommen werden.  <\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Vertrag sollte deshalb klar bestimmen, innerhalb welcher Fristen M\u00e4ngel gemeldet werden m\u00fcssen, welche Informationen eine M\u00e4ngelanzeige enthalten soll, welche Rechte dem K\u00e4ufer zustehen und wie lange die Gew\u00e4hrleistung dauert.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr produzierende Unternehmen sollte zudem die <strong>Haftung f\u00fcr Folgesch\u00e4den<\/strong> gepr\u00fcft werden. Ein vergleichsweise kleiner Defekt kann beim K\u00e4ufer beispielsweise zu Produktionsausf\u00e4llen oder entgangenem Gewinn f\u00fchren. Ob und in welchem Umfang f\u00fcr solche Sch\u00e4den gehaftet wird, sollte deshalb m\u00f6glichst ausdr\u00fccklich geregelt werden.  <\/p>\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Eine wichtige Stolperfalle: Der Vertrag muss in der Schweiz grunds\u00e4tzlich nicht unterschrieben sein<\/h1>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein f\u00fcr thail\u00e4ndische Unternehmen besonders relevanter Unterschied betrifft die Form des Kaufvertrags.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Schweiz gilt f\u00fcr gew\u00f6hnliche Kaufvertr\u00e4ge \u00fcber bewegliche Waren <strong>grunds\u00e4tzlich Formfreiheit<\/strong>. Ein Vertrag kann daher auch m\u00fcndlich, per E-Mail oder durch schl\u00fcssiges Verhalten zustande kommen. Eine unterschriebene Vertragsurkunde ist grunds\u00e4tzlich nicht erforderlich.  <\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Thailand besteht dagegen bei Kaufvertr\u00e4gen \u00fcber bewegliche Sachen ab einem Kaufpreis von<strong> THB 20&#8217;000<\/strong> eine besondere Anforderung f\u00fcr die gerichtliche Durchsetzung: Grunds\u00e4tzlich muss ein von der in Anspruch genommenen Partei unterzeichneter schriftlicher Nachweis vorhanden sein, sofern nicht beispielsweise eine Anzahlung geleistet oder der Vertrag bereits teilweise erf\u00fcllt wurde. <\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr thail\u00e4ndische Unternehmen kann daraus eine praktische Stolperfalle entstehen.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer aus der thail\u00e4ndischen Gesch\u00e4ftspraxis gewohnt ist, einen bedeutenden Vertrag erst mit der Unterschrift als rechtlich relevant zu betrachten, sollte dies nicht ohne Weiteres auf die Schweiz \u00fcbertragen. Unter Schweizer Recht kann m\u00f6glicherweise bereits die Korrespondenz w\u00e4hrend der Vertragsverhandlungen, eine best\u00e4tigte Bestellung oder anderes Verhalten zu einem verbindlichen Vertrag f\u00fchren. <\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn ein Unternehmen sicherstellen m\u00f6chte, dass vor der Unterzeichnung noch keine vertragliche Bindung entsteht, sollte dies deshalb ausdr\u00fccklich vereinbart werden, beispielsweise indem festgehalten wird, dass der Vertrag erst mit Unterzeichnung durch beide Parteien in Kraft tritt.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch beim <strong>Eigentums\u00fcbergang<\/strong> bestehen Unterschiede. Nach thail\u00e4ndischem Kaufrecht kann bei einer bestimmten Sache grunds\u00e4tzlich bereits der Vertragsabschluss f\u00fcr den Eigentums\u00fcbergang entscheidend sein. Nach Schweizer Recht f\u00fchrt der Kaufvertrag \u00fcber eine bewegliche Sache dagegen grunds\u00e4tzlich zun\u00e4chst nur zu einer Verpflichtung des Verk\u00e4ufers, das Eigentum zu \u00fcbertragen; hierf\u00fcr ist grunds\u00e4tzlich zus\u00e4tzlich eine Besitz\u00fcbertragung erforderlich.  <\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade bei internationalen Gesch\u00e4ften sollte deshalb zwischen Vertragsschluss, <strong>Gefahr\u00fcbergang und Eigentums\u00fcbergang unterschieden werde<\/strong>n. Diese Zeitpunkte k\u00f6nnen auseinanderfallen. <\/p>\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Schweizer Kaufrecht oder Wiener Kaufrecht?<\/h1>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei internationalen Warenk\u00e4ufen kommt eine weitere Besonderheit hinzu: das <a href=\"https:\/\/uncitral.un.org\/en\/texts\/salegoods\/conventions\/sale_of_goods\/cisg\"><strong>UN-\u00dcbereinkommen \u00fcber Vertr\u00e4ge \u00fcber den internationalen Warenkauf (CISG)<\/strong><\/a>, h\u00e4ufig auch Wiener Kaufrecht genannt.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schweiz ist Vertragsstaat des CISG. Thailand ist derzeit kein Vertragsstaat. <\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotzdem kann das CISG bei einem Vertrag zwischen einem thail\u00e4ndischen Verk\u00e4ufer und einem Schweizer K\u00e4ufer relevant werden. Wird lediglich vereinbart, dass der Vertrag \u201eSchweizer Recht\u201c untersteht, kann das CISG als Bestandteil der schweizerischen Rechtsordnung ebenfalls zur Anwendung kommen. <\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer tats\u00e4chlich das Kaufrecht des Schweizer Obligationenrechts anwenden m\u00f6chte, sollte das <strong>CISG deshalb ausdr\u00fccklich ausschliessen<\/strong>.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine m\u00f6gliche Klausel lautet beispielsweise:<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Dieser Vertrag untersteht dem materiellen schweizerischen Recht unter Ausschluss des \u00dcbereinkommens der Vereinten Nationen \u00fcber Vertr\u00e4ge \u00fcber den internationalen Warenkauf (CISG).<\/strong><\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Unterschiede sind nicht nur theoretischer Natur. Das Schweizer Obligationenrecht unterscheidet beispielsweise st\u00e4rker zwischen Mangel, Verzug, Unm\u00f6glichkeit und anderen Vertragsverletzungen. Das CISG verwendet dagegen ein st\u00e4rker vereinheitlichtes System der Vertragsverletzung und kennt insbesondere das Konzept der wesentlichen Vertragsverletzung.  <\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch Nacherf\u00fcllung, Schadenersatz sowie Pr\u00fcfungs- und R\u00fcgepflichten sind unterschiedlich ausgestaltet.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bedeutet nicht, dass das CISG grunds\u00e4tzlich nachteilig w\u00e4re. Gerade f\u00fcr Unternehmen mit vielen internationalen Kunden kann ein international vereinheitlichtes Kaufrecht sinnvoll sein. Entscheidend ist vielmehr, bewusst zu bestimmen, welches Regelwerk gelten soll, anstatt diese Frage offen zu lassen.  <\/p>\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Anwendbares Recht, Gerichtsstand und Schiedsgericht<\/h1>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben der Wahl des anwendbaren Rechts muss entschieden werden, wo ein m\u00f6glicher Rechtsstreit ausgetragen werden soll.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Klausel \u201eEs gilt Schweizer Recht\u201c bestimmt lediglich das anwendbare Recht. Sie beantwortet noch nicht die Frage, ob beispielsweise ein Schweizer oder ein thail\u00e4ndisches Gericht zust\u00e4ndig ist. <\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rechtswahl und Gerichtsstand sollten deshalb separat festgehalten werden, beispielsweise durch die Vereinbarung von Schweizer Recht und eines ausschliesslichen Gerichtsstands in der Schweiz.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade bei internationalen Vertr\u00e4gen ist jedoch noch eine weitere Frage wichtig: Wo befinden sich die Verm\u00f6genswerte, gegen die ein Entscheid sp\u00e4ter vollstreckt werden m\u00fcsste?<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei gr\u00f6sseren grenz\u00fcberschreitenden Gesch\u00e4ften kann deshalb statt eines staatlichen Gerichts ein <strong>Schiedsgericht<\/strong> sinnvoll sein. Sowohl Thailand als auch die Schweiz sind Vertragsstaaten des <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Convention_on_the_Recognition_and_Enforcement_of_Foreign_Arbitral_Awards\">New Yorker \u00dcbereinkommens \u00fcber die Anerkennung und Vollstreckung ausl\u00e4ndischer Schiedsspr\u00fcche<\/a>. Dadurch besteht f\u00fcr Schiedsspr\u00fcche ein international etablierter Mechanismus zur Anerkennung und Vollstreckung.  <\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das kann insbesondere dann von Vorteil sein, wenn ein Entscheid sp\u00e4ter im jeweils anderen Staat durchgesetzt werden muss.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Schiedsverfahren ist allerdings nicht automatisch die bessere L\u00f6sung. Bei kleineren Forderungen k\u00f6nnen die Kosten eines Schiedsverfahrens unverh\u00e4ltnism\u00e4ssig sein. Bei umfangreichen oder wertm\u00e4ssig bedeutenden Liefervertr\u00e4gen sollte aber zumindest gepr\u00fcft werden, welche Streitbeilegungsvariante besser zur Gesch\u00e4ftsbeziehung passt.  <\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wird ein Schiedsgericht gew\u00e4hlt, sollten insbesondere Schiedsinstitution oder Verfahrensregeln, Sitz des Schiedsgerichts, Anzahl der Schiedsrichter und Verfahrenssprache bestimmt werden.<\/p>\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Vorsicht bei Verkaufs- und Einkaufsbedingungen<\/h1>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer regelm\u00e4ssig Waren verkauft, arbeitet h\u00e4ufig mit eigenen Allgemeinen Gesch\u00e4fts- oder Verkaufsbedingungen. Schweizer Gesch\u00e4ftskunden verwenden wiederum oftmals eigene Einkaufsbedingungen. <\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit kann ein sogenannter <strong>Battle of Forms<\/strong> entstehen: Der thail\u00e4ndische Hersteller verweist in seinem Angebot auf seine Verkaufsbedingungen, w\u00e4hrend der Schweizer K\u00e4ufer mit seiner Bestellung gleichzeitig seine eigenen Einkaufsbedingungen f\u00fcr anwendbar erkl\u00e4rt.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade bei Gew\u00e4hrleistung, Haftung, Zahlungsbedingungen oder Gerichtsstand k\u00f6nnen sich die beiden Regelwerke erheblich widersprechen.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei wichtigen Gesch\u00e4ftsbeziehungen sollte deshalb eindeutig festgehalten werden, welche Bedingungen Bestandteil des Vertrags sind und welche Regelungen im Fall eines Widerspruchs Vorrang haben.<\/p>\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h1>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der direkte Verkauf aus Thailand in die Schweiz ist rechtlich vergleichsweise einfach m\u00f6glich. Gerade weil daf\u00fcr keine eigene Schweizer Gesellschaft erforderlich ist, sollte der Kaufvertrag die grenz\u00fcberschreitenden Risiken jedoch klar verteilen. <\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr thail\u00e4ndische Hersteller sind insbesondere vier Punkte wichtig: Lieferung und Gefahr\u00fcbergang sollten mit geeigneten Incoterms klar geregelt werden, Gew\u00e4hrleistung und Haftung sollten zur konkreten Ware passen, die Unterschiede zwischen thail\u00e4ndischem und Schweizer Vertragsrecht d\u00fcrfen nicht untersch\u00e4tzt werden und das anwendbare Recht sowie die Streitbeilegung sollten ausdr\u00fccklich festgelegt werden.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besondere Aufmerksamkeit verdient die Tatsache, dass ein Kaufvertrag in der Schweiz grunds\u00e4tzlich auch ohne unterschriebene Vertragsurkunde zustande kommen kann. Ebenso sollte bei einer Wahl von Schweizer Recht bewusst entschieden werden, ob das CISG gelten oder ausdr\u00fccklich ausgeschlossen werden soll. <\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein guter internationaler Kaufvertrag muss deshalb nicht jedes denkbare Risiko in einem umfangreichen Vertragswerk regeln. Er sollte aber eindeutig beantworten, was geliefert wird, <strong>wer auf dem Weg von Thailand in die Schweiz welches Risiko tr\u00e4gt und welche Rechte die Parteien haben, wenn die Lieferung nicht wie vereinbart erfolgt.<\/strong> <\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dieser Beitrag vermittelt einen allgemeinen \u00dcberblick \u00fcber internationale B2B-Kaufvertr\u00e4ge zwischen Thailand und der Schweiz und ersetzt keine rechtliche Beratung im Einzelfall.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was m\u00fcssen thail\u00e4ndische Hersteller bei internationalen Kaufvertr\u00e4gen unter Schweizer Recht beachten? \u00dcberblick zu Incoterms, Gew\u00e4hrleistung, CISG, Gerichtsstand und Schiedsgericht. <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2622,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[60,185,51],"tags":[1310,1306,1304,1303,1311,1308,1305,1312,1296,1307,1309],"class_list":["post-2740","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-business-law","category-gesellschaftsrecht-unternehmensgrundung","category-juristisches-projektmanagement","tag-battle-of-forms","tag-cisg-schweiz","tag-incoterms","tag-internationale-kaufvertrage","tag-mangelruge","tag-schweizer-gewahrleistungsrecht","tag-schweizer-kaufrecht","tag-schweizer-markteintritt","tag-thailand-schweiz-handel","tag-thailandischer-hersteller-schweiz","tag-wienerkaufrecht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/nomadlaw.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2740","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/nomadlaw.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/nomadlaw.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/nomadlaw.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/nomadlaw.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2740"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/nomadlaw.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2740\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2741,"href":"https:\/\/nomadlaw.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2740\/revisions\/2741"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/nomadlaw.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2622"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/nomadlaw.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2740"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/nomadlaw.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2740"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/nomadlaw.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2740"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}