Legal Insights & Current Topics

Rechtsformen in der Schweiz: Guide für Thai/Expats, die sich selbständig machen

Wenn du als Thai/Expat in der Schweiz ein Geschäft startest, ist die Rechtsform nicht nur „Papierkram“, sie entscheidet ganz praktisch über Haftung, Steuern, Sozialversicherung, Bankkonto/Verträge und wie „seriös“ Sie für Vermieter, Lieferanten oder Kundschaft wirkst.

Ich halte es bewusst praxisnah (ohne Juristen-Deutsch), mit Fokus auf typische Expat-Businesses wie Massage/Beauty, Gastronomie, Onlinehandel, Beratung/Agency, Tourismus/Services.

Das Wichtigste zuerst

1) Ein eigenes Unternehmen löst kein Aufenthalts-/Bewilligungsproblem

Ein Unternehmen ersetzt keine Arbeits-/Aufenthaltsbewilligung oder Selbständigenbewilligung. Sie ist aber oft ein wichtiger Baustein, weil Behörden/Banken gerne klare Strukturen sehen.

2) Haftung ist in der Schweiz

Viele unterschätzen, dass man bei einer Einzelfirma oder (ungewollter) einfacher Gesellschaft mit dem Privatvermögen haftet. Gerade bei Mietverträgen, Angestellten, Produkten oder Schadenfällen kann das teuer werden, oder sogar den finanzielle Ruin bedeuten.

3) Zu zweit starten? Vorsicht: „Einfache Gesellschaft“ entsteht schneller als du denkst

Wenn ihr zu zweit „einfach loslegt“ (gemeinsame Kunden, gemeinsame Kasse), kann automatisch eine einfache Gesellschaft entstehen, oft ungewollt, mit solidarischer Haftung. Ausserdem steht beiden Personen 50% des Gewinns zu. Das kann schnell zu streit führen, wenn eine Person viel mehr Zeit und Geld in ein gemeinsames Projekt investiert. Besser: früh schriftlich regeln oder eine passende Rechtsform wählen.


Erklärung der verschiedenen Rechtsformen

RechtsformFür wen?HaftungKapital / GründungSteuern (sehr grob)VorteileNachteile
EinzelunternehmenSolo self-employed persons, small services / tradeSolo-Selbständige, kleine Dienstleistungen/HandelKein Mindestkapital; einfache GründungEinkommen/Vermögen beim InhaberSchnell, günstig, wenig FormalitätenVolles Risiko; Name eingeschränkt; wirkt teils „klein“ für Geschäftspartner
GmbHKMU, 1 oder mehrere Gründer, skalierbar, HaftungsabschirmungGrundsätzlich nur Gesellschaftsvermögen (Stammeinlage)Stammkapital (mind. CHF 20’000); HR-Eintrag Gewinn-/Kapitalsteuer auf Gesellschaft + Besteuerung von Lohn/Dividende (Doppelbelastung möglich)Seriös, klare Struktur, gut für Partner/InvestorenMehr Aufwand/Kosten als Einzelfirma
AGEin oder mehrere Gründer, Wachstum, Investoren, höhere Umsätze/HaftungsabschirmungGrundsätzlich nur Gesellschaftsvermögen/AktienkapitalAktienkapital (min. CHF 100’000); HR-Eintrag Wie GmbH (Doppelbelastung möglich)Sehr etabliert, einfacher Anteilstransfer, oft „vertrauensstark“Höhere Gründungs-/Formalkosten, mehr Governance
VereinIdeelle Zwecke, Community/ProjektGrundsätzlich VereinsvermögenEinfach (Statuten, Organe), teils HRJe nach Tätigkeit/SteuerstatusSehr flexibel für nicht primär gewinnorientiertFür klassische gewinn orientierte Unternehmen oft unpassend
Einfache Gesellschaft (Auffanggesellschaft!)Zwei+ starten „einfach mal“ gemeinsamUnbeschränkt & solidarischKeine formalen Voraussetzungeni.d.R. bei BeteiligtenSchnell und unkompliziertHäufig ungewollt: Wenn ihr zu zweit loslegt ohne Vertrag, seid ihr schnell hier – mit voller Haftung. Besser regeln
KollektivgesellschaftZwei oder mehr führen Geschäft gemeinsamUnbeschränkt & solidarischHR-EintragBesteuerung bei GesellschafternKlarer als einfache Gesellschaft, etabliertVolle Haftung bleibt
Kommanditgesellschaft (weniger relevant)Mischung: aktive + passive PartnerKomplementär unbeschränkt; Kommanditär bis BetragHR-Eintragi.d.R. bei BeteiligtenErmöglicht „stille“ GeldgeberKomplexer; selten im Alltag
Genossenschaft (weniger relevant, aber spannend)Gemeinsam wirtschaften (z.B. Wohnen, Einkauf, Plattform)Grundsätzlich GenossenschaftsvermögenMind. mehrere Mitglieder; Regeln/OrganeJe nach AusgestaltungDemokratische Struktur, gemeinsamer NutzenWeniger „klassisch“ für Startups

Welche Rechtsform passt zu welchem Geschäft?

A) Massage / Beauty / Nails / Kosmetik (Studio oder mobil)

  • Mobil & solo, kleines Risiko: oft Einzelfirma (aber: Haftung + Verträge!)
  • Mit Studio, teurer Miete, Geräte, Mitarbeitenden: eher GmbH
  • Sobald um die CHF 20’000 investiert werden muss, sollte eher gleich eine GmbH gegründet werden.
  • Warum? Mietverträge, Verletzungen von Kunden und Mitarbeiter erhöhen das Haftungsrisiko. Eine GmbH wirkt auf Vermieter und Banken zudem oft seriöser.

B) Gastronomie / Take-away / Food-Konzept

  • In fast allen Fällen: GmbH oder AG, wenn ein stärkeres Wachstum geplant ist
  • Warum? Wegen der hohen Risiken in Bezug auf Miete, Personal, Hygiene, Lieferanten und Haftung. Viele Gastronomiebetriebe überstehen die ersten Jahre nicht, und man möchte schliesslich nicht persönlich für die Schulden haften müssen. Ein Einzelunternehmen kann sehr schnell zu einer Belastung werden.

C) Online-Shop / Import / Handel (z.B. Thai-Produkte)

  • Klein starten: Einzelfirma möglich
  • Bei Lager, grösserem Volumen, Retouren/Produkthaftung: GmbH
  • Wenn du später Partner/Investoren willst: AG oder früh sauber strukturieren.

D) Beratung / Coaching / Übersetzung / Content / Agency

  • Solo & überschaubar: Einzelfirma
  • Mit Team, grösseren Kunden, Subunternehmern: GmbH
  • Wenn du Anteile verteilen willst (z.B. Co-Founder/Investor): GmbH oder AG.

E) Tourism / Service Agency

  • Wegen Verantwortung/Verträgen/Haftungsfragen: meistens GmbH,
  • du kannst jedoch gut als Einzelfirma starten, um die erste Erfahrung zu sammeln.
  • Wenn du skalieren willst (Partner in CH/TH, Beteiligungen): GmbH und AG kann später sinnvoll sein

Wenn du zu zweit startest…“

Viele Paare/Freunde starten gemeinsam („50/50, wir teilen alles“). Ohne klare Regeln landest du schnell in einer einfachen Gesellschaft – und das kann bedeuten:

  • einer unterschreibt einen Vertrag → beide haften
  • Streit bei Gewinnverteilung/Exit → Chaos

Mini-Schutz: Mindestens schriftlich festhalten:

  • wer macht was, wer zahlt was
  • Gewinn/Verlust-Aufteilung
  • Zugriff auf Konto/Kasse
  • was passiert bei Trennung/Ausstieg

Entscheidung in 60 Sekunden

meistens stimmt das

  • Ich bin allein, kleines Risiko, will schnell starten → Einzelfirma
  • Ich miete ein Studio / habe Personal / will Haftung trennen → GmbH
  • Ich plane Wachstum + Investoren/Partner/Exit → AG
  • Wir starten zu zweit „einfach so“ → nicht machen → Vertrag oder GmbH/AG